Ursachen

Das subjektve (!) Gefühl des Betroffenen von mangelnder Geborgenheit in der Kindheit scheint der (!) entscheidende Impuls zu ADHS-auffälligem Verhalten zu sein. Dieses Geborgenheitsdefizit (aus subjektiver Sicht des Kindes) ist unweigerlich mit dem Gefühl, nicht im erwünschten Maße anerkannt oder geliebt zu sein, verbunden. Diese Erkenntnis wird mit Regelmäßigkeit von ADHS-betroffenen Erwachsenen und älteren Jugendlichen berichtet, wenn es Ihnen gelingt, ihre frühesten Kindheitserinnerungen zu reflektieren. Häufig wird berichtet über Äußerungen des Kindes wie folgt: „ ....keiner hat mich richtig lieb, niemand will mich haben, ... warum bin ich so anders, .... so möchte ich nicht mehr leben....“ Erstaunlicherweise ist die negative Selbstwahrnehmung des Betroffenen schon sehr früh ausgeprägt und zwar schon lange bevor Kränkungen, Zurücksetzungen und Ausgrenzungen in der Schule im Regelfall ab dem 3. Schuljahr zusätzlich das klinische Bild verschlimmern. So teilte ein Erwachsener auf die Frage, an welche Gefühle er sich anlässlich der Aufnahme im Kindergarten erinnern könne, Folgendes mit: „...eigentlich ging ich sehr wiederwillig in den Kindergarten; ich schämte mich sehr, wenn mich mein Papa dorthin brachte. Er fuhr nur einen kleinen, klapprigen VW – gerne wäre ich mit einem schönen Mercedes vorgefahren...“
    
Häufig ist schon aufgrund der Konstellationen in der Schwangerschaft oder im Säuglingsalter eine latente oder sogar offene Gefährdung für eine harmonische und ungestörte Entwicklung gegeben. Schwierige Familienverhältnisse (nicht nur) bei unehelichen Beziehungen, Adoptionen, geburtstraumatische Ereignisse, Säuglingskrankheiten mit langwierigen stationären Aufenthalten („Frühchen“) mit Trennungssituation von der Mutter bedingen in hohem Maße und nachvollziehbare Verunsicherungen von leiblicher Mutter und Kind. Aber nicht nur derartige Konstellationen gefährden die Entwicklung kindlichen Urvertrauens und von Geborgenheit: Oft genug sind es auch überbehütete Säuglinge und Kleinkinder, denen die Chance, die Welt selbst zu erkunden und kennenzulernen, genommen wurde. Mit Regelmäßigkeit weist ein erhöhtes Angstniveau auch bei mindestens einem Elternteil auf übertragbare Verhaltensnormen hin. Auch diese Kinder leiden später unter mangelndem Selbstbewusstsein und sind in hohem Maße verunsichert und ängstlich.     

Es ist aus meiner Sicht ein fataler Trugschluß, das ungestüme Klettern des hyperaktiven Kleinkindes auf die höchsten Gerüste und Bäume als besonderes Maß für Unerschrockenheit und Mut darzustellen. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Mit diesem Verhalten sucht das Kind nach Aufmerksamkeit, Bewunderung oder Bestätigung, um Anerkennung von außen für das mangelnde Selbstbewusstsein (= Bewusstsein des eigenen Selbst) zu erfahren. Die sich bei ADHS manifestierende Ur-Angst treibt das Kind ferner zu „fluchtartigem Verhalten“ d.h. ständiger Bewegung an. Später im Unterricht ist das Störverhalten des hyperaktiven Kindes im Unterricht ebenfalls Ausdruck eines erhöhten Mitteilungsdranges. Damit versucht das Kind (meist vergeblich), erneut Anerkennung und Belobigung von Dritten (Lehrern, Übungsleitern usw.) zu erlangen. Dass es durch dieses Verhalten („.... stört und kann sich nicht an die Regeln halten...“) seine erste große und reflektierbare Enttäuschung erlebt, ist nahezu unausweichlich, da viele Pädagogen die Übermotivation und eigentliche Intention des Kindes völlig missverstehen und durch Zurückweisung eine nachhaltige Kränkung auslösen.
    
Manche von diesen Kindern sind spätestens hier völlig entmutigt; sie ziehen sich – abgesehen von gelegentlichen aggressiven Durchbrüchen, die meist zuhause stattfinden, - zurück und flüchten in die Traumwelt. Sie sind dankbar für jede Ablenkung, um sich nicht mit dem Unterrichtsstoff beschäftigen zu müssen. Die ständige Suche nach Anerkennung macht deutlich, dass sowohl hypoaktive wie hyperaktive Kinder und Erwachsene ihre Aufmerksamkeit lediglich auf die Unterrichtsfächer und Arbeitsbereiche fokussieren, die erfolgreich bewältigt werden können. Dabei ist ferner festzustellen, dass die selektierte Wahrnehmung und Fähigkeit zur Aufmerksamkeit in höchstem Maße von der Resonanz beim Lehrer, Ausbilder oder Chef abhängt. Ablehnung durch andere Menschen verursacht beim ADHS-Betroffenen eine starke Verunsicherung, die häufig in Gereiztheit und ärgerlicher Erregung mündet. Letztere stört und blockiert in erheblichem Maße die Konzentration.


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