Therapieansätze

Welche Therapiestrategien gibt es?

Zur Behandlung der vom Betroffenen selbst als "chaotisch, rastlos, stimmungslabil" oder ähnlich beschriebenen Lebensweise ist es nicht ausreichend - wie von anderen für Kinder gefordert wird - sich allein durch eine Flut von Zetteln oder sonstigen Memos für die Erledigung vorrangiger Arbeitsaufgaben neu zu strukturieren.

Kognitive Verhaltenstherapie hat hier den Auftrag, Erkenntnisse und Einsichten mit dem Betroffenen gemeinsam zu erarbeiten, die regelhaft vorliegen und zu einer Überforderung und streßhaftem Verhalten beigetragen haben.

Das Gefühl, nicht anerkannt, nicht angenommen zu sein findet sich dabei nicht nur bei betroffenen Kindern sondern auch Erwachsenen wieder. Seit der Kindheit haben Erwachsene dieses Gefühl "konserviert" und ihre Verhaltensweisen danach ausgerichtet (siehe auch Autobiographie eines ADS-Betroffenen):  Sie lassen oft eine objektiv nicht nachvollziehbare negative Selbsteinschätzung und Wahrnehmungsstörung erkennen, die auf ein erheblich eingeschränktes Selbstwertgefühl schließen läßt. "...Da andere (aus Sicht des Betroffenen) alles besser können..." müssen sie somit auch "liebenswerter" sein. In extremen Fällen fühlen sich Betroffene in der Gesellschaft sogar völlig Fehl am Platze ("....ich habe keine Lebensberechtigung - hier man mag mich nicht...").

Während bei einigen überwiegend depressive Resignation und gesellschaftlicher Rückzug dominieren, versuchen andere kämpferisch durch perfektionistische Verhaltensweisen und erhöhte Eigenkritik die ursprünglich versagte Selbst-Anerkennung doch noch von ihren Mitmenschen zu erlangen und gleichzeitig ihre nach außen hin maskierte Depressivität zu verleugnen.

Es ist Aufgabe einer kognitiven Verhaltenstherapie, die damit verbundenen Reaktionsmuster aufzudecken und alternative Verhaltensstrategien anzubieten. So läßt sich bei beiden Formen ein stets offener Wahrnehmungsstil erkennen: Beim Hyperaktiven ("...bloß nichts versäumen") wie auch beim Unaufmerksamen/ Hypoaktiven ("...bloß keine Fehler machen") ist die Wahrnehmung stets auf die Umwelt (intern - externe Sichtweise) ausgerichtet: ("...was machen die anderen? Wie muß ich reagieren, um geduldet, anerkannt oder gar geliebt zu werden?").

Es ist wichtig, diese Verhaltensweisen bewußter zu machen, da sie dazu beitragen, die regelhaft beklagte Reizüberflutung und Ablenkbarkeit zu verstärken bzw. auszulösen. Ferner geht es darum, Konzepte zu erarbeiten, die die Stabilisierung der Persönlichkeit und des eigenen Selbstwertgefühls ermöglichen.

(s.a. : Selbstliebe nach Erich Fromm in "die Kunst des Liebens").

 
Kognitive Verhaltenstherapie
Coaching

Unter Coaching versteht man eine lebensbegleitende Beratung und Unterstützung durch einen anderen Menschen, der dem Betroffenen bei der Erledigung bestimmter Aufgabenstellung durch Rat oder Tat behilflich ist. Dabei kommt es nicht darauf an, komplexe, bislang nicht lösbare Aufgaben "durch andere erledigen" zu lassen, was den Grad an Abhängigkeit und fehlendem Selbstwertgefühl nur verschlimmern würde. Das geltende Prinzip: "Hilfe zur Selbsthilfe" hat somit lediglich moderierende Funktionen. Wie bereits an anderer Stelle erläutert findet man bei ADS häufig eine "Unfähigkeit zum Arbeitsbeginn" . Ist der Einstieg erst einmal geschafft - läuft die Arbeit oft fast von ganz allein, da die alles blockierende Angst (" ... ich kann das ohne hin nicht...) durch die bloße Anwesenheit oder mentale Unterstützung via E-mail/Telefon ... schon diese Selbstblockade lösen kann.

Andere Aspekte des Coachings können sein, komplexe Arbeitsabläufe durch Gliederung/Auftrennung übersichtlicher und somit transparenter zu machen. Dies vermittelt dem Betroffenen den Eindruck, es auch aus eigener Kraft allein schaffen zu können.

Regelmäßige Besprechungen und Memos gemeinsam verabredeter Arbeits- und Lebensziele sollten helfen, in Vergessenheit Geratenes wieder präsent zu machen und Lebensperspektiven nicht aus den Augen zu verlieren. Oftmals bedarf es erst einer neuen Zielorientierung zu Beginn eines Coaching-Prozesses, da aufgrund der (verleugneten) Perspektivlosigkeit und ständigen Ausrichtung auf andere eigene Lebensziele nie richtig entwickelt und realisiert werden konnten.

Es ist darauf zu achten, daß der Coach nach Möglichkeit kein direkter Lebenspartner sondern eher ein guter Freund ist, zu dem ein sympathisches aber keinesfalls symbiotisches Verhältnis besteht! Weder eignen sich Eltern noch Ehepartner idealerweise für derartige Prozesse, da nur allzuoft gerade zu diesen ein ausgesprochen ambivaltentes Verhältnis (...ich bin ja eh nicht liebenswert...) steht, was Coaching nahezu unmöglich macht.

Selbsthilfegruppen

In Erwachsenen -Selbsthilfegruppen für ADS kann gegenseitige Selbsthilfe vermittelt werden. Der bei ADS bestehende Leidensdruck wird durch gruppendynamische Erlebnisse gebessert, wenn erlebt wird, daß auch andere ähnlich betroffen sind.

Es sollte aber Wert darauf gelegt werden, daß sich die Arbeit von Selbsthilfegruppen nicht allein darauf beschränkt, gruppenintern wie auch nach außen "Fachaufklärung" über die facettenreiche Symptomatik von ADS zu vermitteln, was unter bestimmten Umständen den Eindruck "defizitär zu funktionieren", verstärken könnte. In mindestens gleich starker Ausrichtung sollten gegenseitig stützende Einzelgespräche in Krisensituationen und sonstige Angebote für Betroffene nach den Kriterien der Selbsthilfe organisiert werden.

Die Erfahrung zeigt, daß das Sichöffnen auch in Selbsthilfegruppen nicht immer störungsfrei gelingt. Die Tendenz, unverändert die Maske der Perfektion oder des/der Angepaßten aufrechtzuerhalten kann auch hier hartnäckige Widerstände offenbaren. So wird oftmals der beschützende Raum einer Selbsthilfegruppe gern auch als Plattform benutzt, die althergebrachten Verhaltensstrategien beizubehalten und zu zementieren ("Hypie bleibt Hypie" in der Suche nach Anerkennung - "Hypo bleibt Hypo" in der Suche nach Zuwendung). Diese gruppendynamischen störenden Kräfte sollten bewußt gemacht und ggfls durch Supervision überwunden werden.

Medikamente

Als wichtige Behandlungssäule hat sich inzwischen auch die medikamentöse Behandlung von betroffenen Erwachsenen mit Stimulanzien (Methylphenidat = Ritalin /Medikinet) etabliert. Insbesondere eignet sich eine Stimulanzienbehandlung am Beginn eines multimodalen Therapiekonzeptes, da Betroffene oftmals langjährig gescheiterte Psychiatrie oder Psychiotherapie-erfahrungen mitbringen und Fortschritte bei alleiniger Psycho-therapie nicht verzeichnet haben.

Von Anfang an empfehle ich gleichzeitig gesprächstherapeutische Interventionen, um die unübersehbaren psycho-sozialen Einflußfaktoren auf die Ausprägung des ADS zu erkennen und in das Therapiekonzept mit einzubeziehen.

Bewährt hat sich eine einschleichende Behandlung mit retardiert freigesetztem Methylphenidat (Ritalin adult/Medikinet adult). Möglicherweise ist mit initialer Behandlung von 1x5mg morgens (stets nach dem Frühstück) noch kein ausreichender Effekt zu erzielen, sodass nach spätestens einer Woche die Dosis verdoppelt werden sollte. Vorteil der langsam zu steigernden Dosis ist, dass Überdosierungen vermieden werden können, die bei wenigen Patienten schon bei 10mg Tagesdosis beobachtet werden konnten. Diesen (wenigen) Patienten würde man aufgrund der ungewünschten Nebenwirkungen ein wichtiges Therapieprinzip - lebenslänglich - vorenthalten, wenn der Erstkontakt mit einem anerkannten Therapieprinzip (wegen frühzeitiger Nebenwirkungen) sofort abgebrochen werden müsste (und dann logischerweise nicht wiederholt würde....) 

Die Hauptwirkungen sind - therapeutische Wirkspiegel vorausgesetzt - eine deutliche Verbesserung hinsichtlich der Kernsymptomatik (Innere/äußere Unruhe bzw. Hyperaktivität, Impulsivität und Konzentrationsstörung). Nicht selten ist hiermit gleichzeitig eine deutliche Stimmungsaufhellung und Angstdämpfung verbunden, insbesondere wenn durch eine Verbesserung der morgendlichen Müdigkeit und Antriebstörung die quälenden frühmorgendlichen Stimmungstiefs überwunden werden. Der Vorteil der Stimulanzien ist im Gegensatz zu üblichen traditionellen (tricyclischen) wie auch moderneren Antidepressiva (Typ SSRI /NSRI) ihr rascher Wirkeintritt, der eine gute Beurteilbarkeit des Effektes bereits nach wenigen Tagen und grundsätzlich eine gute Steuerbarkeit der Einzeldosis zuläßt.

Nebenewirkungen dieser Therapie sind in Einzelfällen vermehrte Unruhe oder Angst (insbesondere bei zu rascher Dosiserhöhung oder Nichtbeachtung der Einnahmevorschriften), nächtliche Schlafstörungen (insbesondere bei zu später Einnahme der letzten Tagesdosis) oder Inappetenz, die nur selten zum Abbruch der Therapie führt. Oftmals läßt sich diese Nebenwirkung jedoch hilfreich bei der Überwindung einer gleichzeitig bestehenden Bulimie-Eßsucht einsetzen. Initiale Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Unverträglichkeiten verschwinden meist spontan oder sofort nach Dosisreduktion.

Das Auftauchen von Nebenwirkungen erfolgt im Gegensatz zu den üblichen Antidepressiva fast immer mit spürbaren und gewünschten Hauptwirkungen, sodaß damit das Erreichen einer therapeutisch wirksamen Dosierung schon angezeigt wird. Weitere Dosissteigerungen sollten dann unterbleiben, da sie unnötigerweise nur Nebenwirkungen verstärken und mit verspätet einsetzenden Hauptwirkungen nicht mehr zu rechnen ist. (S.a. Autobiographie: Ritalinwirkung).


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